| Kolumnen |
Januar 01|2011
Wegwerfgesellschaft
Kolumne
Kolumne von Luzia Mahnig
03:00 – Die Party ist zu Ende. Das Aufräumen beginnt hingegen erst jetzt richtig. Überall liegt Abfall herum und die Bar-Tische sind mit Biergläsern belegt – die meisten noch halb voll. Kaum zu glauben, dass wir gerade erst eine Weltwirtschaftskrise überstanden haben. Ein Rückgang des Konsums ist zumindest im Ausgang nicht wahrzunehmen.
Nicht nur die Getränke in der Bar werden stehengelassen. Auch der Teller im Restaurant wird nicht ausgegessen und das Jogurt, das wir im 10er Pack gekauft haben, um von einer Aktion zu profitieren, überschreitet das Haltbarkeitsdatum ungegessen. Überflüssig zu erwähnen, dass man somit durch diese Aktion gar nichts sparen konnte.
Nicht nur Lebensmittel sind von unserer Wegwerfgesellschaft betroffen. Auch zu Gebrauchsgegenständen tragen wir immer weniger Sorge. Die Lebenszyklen von technischen Geräten verkürzen sich ständig. Hat das schwarze Analog-Telefon der Swisscom früher noch mehrere Jahrzehnte seinen Dienst erledigt, werden die heutigen Handys meist bereits nach einem Jahr ausgetauscht. Wer heute noch ein iPhone der ersten Generation besitzt, ist damit schon lange nicht mehr up-to-date. Die Technologiebranche kennt hier einige gute Tricks um die Konsumenten zu wiederholten Neukäufen zu bringen. Technische Standards von Heute sind schon mit den Geräten von Morgen nicht mehr kompatibel.
Gerade jetzt über die Feiertage nimmt unser Wegwerfwahn wieder stark zu. So sollten wir uns gelegentlich fragen, ob wir denn wirklich die Festtagspralinen kaufen wollen, die ja bereits ohne die glitzernde Weihnachtspackung dreifach eingepackt waren. Vor allem wenn wir doch die Möglichkeit hätten, die Guetzli selber zu backen – mit den Eiern, die wir letztens in der Aktion im Multipack erworben haben. Ansonsten kommen wohl zur Verpackung mit der Weihnachtsschleife, die bereits im Mülleimer liegt, bald noch einige abgelaufene Eier hinzu.







