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April  04|2010

Josepha Bühler (1808-1853), ermordet in Zürich

Unbekannte Bekannte

Bericht von Matthias Setz
Im Jahre 1853 wurde Josepha Bühler, eine gebürtige Menznauerin, durch einen Schlossergesellen (Johannes Meidel) ermordet. Aus dem Aufsatz “Frühe Polizeifotografien im Mordfall Meidel – Das Milieu «fahrender» Dienstboten und Arbeiterinnen“ von Martin Gasser und Meinrad Suter (2006) sind einige interessante Fakten über das Leben von Josepha Bühler zu entnehmen.

Von Interesse war der Fall für die beiden Autoren wegen der Schwere des Delikts und weil zu dessen Aufklärung wohl erstmals in Zürich das Mittel der Fotografie eingesetzt wurde. Uns interessiert dabei aber mehr das Leben von Josepha Bühler und ihr Bezug zu Menznau. ms. “Josepha «Seppe» Bühler, katholisch, gebürtig von Menznau im Kanton Luzern, stammte (gemäss einer Zeugin) aus durchaus honetter Familie. Um 1830 heiratete sie den Beckerknecht Johann Huber von Grosswangen, Amt Sursee, genannt Kälberhans. Sie gebar einen Sohn, die Ehe aber war unglücklich und wurde 1834 geschieden. Später führte Josepha Bühler ein unstetes und zügelloses Leben, hatte uneheliche Kinder. Im Luzernischen war sie übel beleumdet. Sie besass nichts, vielmehr belastete sie mit ihren Kindern die heimatliche Waisengemeinde. In Grosswangen hatte sie einen Vormund. In der Zeit vor dem Sonderbundskrieg 1847 weilte sie in Luzern. Spätestens im Sommer 1852 hielt sie sich in Zürich auf, als Strohflechterin. Das Polizeiregister von Riesbach verzeichnete sie als Kostgängerin bei Frau Brändli von Seefeld. Weil sie stets herumzog, wurde sie von dieser weggeschickt. Josepha Bühler galt als Prostituierte, obwohl sie selten in Männerbegleitung gesehen wurde. Öfters übernachtete sie in Herbergen, so in Wollishofen und in der Enge, auch gemeinsam mit einer bekannten Dirne. Im Sternen in der Enge wurde ihr deshalb das Einkehren verweigert. Der Portier der Krone bei Stadelhofen sah sie zuletzt häufig, auch spät Abends. Er wollte sie oft gefragt haben, warum sie denn auf den «Anstand» gehe.

Um Weihnachten und Neujahr 1852/1853 verkostgeltete sich Josepha Bühler bei Frau Schoch im Niederdorf, danach weilte sie bei einer Bekannten aus Luzern in der Enge. Bei dieser weinte sie einmal und fand ihr leichtfertiges Leben abscheulich. Ende Januar 1853 versetzte sie Hemd, Schürze und Nastuch für zwei bis drei Franken, Anfang Februar 1853 unter falschem Namen einen gestohlenen Koffer für sechs Franken. Da und dort hatte sie kleine Geldschulden. Um diese Zeit starb ihr vormaliger Mann. Bei der Vermögensausmittlung am 12. Februar 1853 in Grosswangen war sie anwesend. Ein Guthaben von 286 Franken (nach Abzug der Forderungen der Waisengemeinde) lag auf der Spar- und Leihkasse in Luzern. Das Geld hob sie nicht ab. Sie plante für die bessere Witterung einen Wegzug nach Basel, um dort eine Handlung zu eröffnen. In der ersten Märzwoche 1853 war Josepha Bühler bei Frau Hug in der Kühgass, Hottingen, an der Kost. Vom Samstag, 5. März 1853, auf Sonntag, 6. März 1853, übernachtete sie im gleichen Bett mit einer Magd, die auf eine Stelle wartete. Um acht Uhr morgens ging sie in die katholische Kirche und kehrte um elf Uhr zurück. Nach dem Mittagessen bei Frau Hug war sie an verschiedenen Orten, unter anderem bei einem Schuster, der ihr 35 Rappen für einen Kaffee bei Weinschenk Bachmann lieh. Sie habe eine Verabredung mit einem Mann, der sie heiraten wolle, der sie aber nur des Geldes wegen nehme. Sie traf ihn nicht. Bei Weinschenk Nötzli trank sie einen halben Schoppen Wein. Am frühen Abend war sie bei einer Magd aus Malters, die am Münsterhof diente. Sie erhielt Kaffee, ebenso kalte Kartoffeln (sie schien grossen Hunger zu haben) sowie 40 Rappen.

Die Zeugenaussagen über die Aufenthalte der Josepha Bühler an diesem Sonntagnachmittag und nach dem Eindunkeln waren im Übrigen widersprüchlich. Unter anderem wollte sie der Kronenportier um 16 Uhr in Männerbegleitung gesehen haben (er dachte, sie habe einen «abgefasst») und wiederum – nun alleine – um 20 Uhr. Zwei Burschen glaubten, ihr um 20.30 Uhr in Begleitung eines Mannes auf der Landstrasse begegnet zu sein, und zwar «gemein, sie führten sich».

Entdeckt wurde die Leiche von Josepha Bühler am Montagmorgen, 7. März 1853, um sechs Uhr, durch einen Knecht in der Säge bei der Stadelhofer Mühle. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sie ohne jede Gegenwehr und wohl in Erwartung des Geschlechtsverkehrs, jedenfalls in einem «Zustande vollständigen Wohlseins», erwürgt worden war.“(Gasser und Suter 2006).

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