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3doerferpost
August 08|2010
Ordensschwester der heiligen Familie Marie-Therese Bättig
Unbekannte Bekannte
Bericht von Irene Reis
Vor 51 Jahren entschied Marie-Therese Bättig sich, der Ordensgemeinschaft Missionsschwestern der heiligen Familie anzuschliessen. In diesen 51 Jahren kam sie rund um die Welt.

Schwester Marie-Therese vor dem Ordenshaus in Reussbühl.
Marie-Therese Bättig wurde im November 1938 in Menznau geboren. Sie lebte 15 Jahre lang mit ihrer Familie „i de Gige“, unter dem Gassmeshuser-Wald. Nachdem sie in Menznau die Primar- und Sekundarschule absolviert hatte, zog sie für 2 Jahre ins Unterdorf. Dort arbeitete sie in einer Familie. Nachher entschied sie sich dann für einen Wallisbesuch. Dort arbeitete sie in der Küche in einem Heim für Kinder. Im Wallis fing sie dann auch an, sich für Ordensschwestern zu interessieren. Als sie in Zeitungsinseraten nicht fündig wurde, meldete sie sich bei den Patres in Werthenstein. Nachdem sie von dort Prospekte erhalten hat, besuchte sie einen Pater. Dieser suchte Schwestern für eine Mission, seine Meinung war: „Ein Kloster ohne Schwestern sei wie eine Familie ohne Mutter“. Das Anmelden als Novizin war aber eine schwere Entscheidung, denn zu dieser Zeit gab es in der Schweiz noch keine Ordensschwestern. Deshalb musste sie in Holland als Novizin anfangen. Nach diesen 4 Novizenjahren kam sie dann der Schweiz wieder etwas näher und zog ins Dorf Bremen. Dort machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftsköchin. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie in einem Spital in Bremen als Köchin und später als Hausoberin. 1970 zog sie dann nach Mainz, da in Bremen die Schwestern das Spital aufgaben. In Mainz machte Schwester Marie-Therese eine 3 jährige Ausbildung zur Pastoralassistentin mit Fachhochschul-Abschluss. Nach diesem Abschluss arbeitete sie auf diesem Beruf in einer Pfarrei in Mainz.
Speziell für sie in den ersten 10 Jahren war, dass man in der Ordenstracht lebte. Dies wurde vor ihrer Zeit in Chile abgeschafft.
Chile
Nach dieser Zeit in Deutschland ging Schwester Marie-Therese 14 Jahre lang nach Chile. Doch zuerst musste sie spanisch lernen. Diese Zeit in Südamerika ist ihr ganz besonders in Erinnerung geblieben, da in Chile die Leute immer freundlich sind, dies trotz ihren armen Verhältnissen. In Santiago, der Hauptstadt, arbeitete sie in verschiedenen Pfarreien. In diesen Pfarreien stellte sie fest, dass es fast keine Mittelschicht gab, sondern viele Reiche und viele Arme. Ihre erste Pfarrei hatte 25000 Einwohner. Vorwiegend übernahm sie die Vorbereitung der 1. hl. Kommunion. Diese dauerte dort 2 Jahre. Anders als in der Schweiz wurden die Elternabende von den Eltern durchgeführt, vorwiegend von den Müttern. Der wöchentliche Unterricht von den Kommunionkindern übernahmen Jugendliche. Schwester Marie-Therese Aufgabe war, diese Personen, welche den Unterricht oder die Abende führten, vorzubereiten. Sie selber führte wöchentlich Jugendgruppen und Liturgiekreise durch. In Santiago sah sie während ihren Hausbesuchen sehr oft Sozialprobleme wie Alkohol, Drogen oder Geldsorgen. Zu dieser Zeit betrug die Arbeitslosigkeit zwischen 60 und 70 %. Viele Leute wohnten am Rande der Stadt in Baracken. Manchmal hatte es für die Familie nicht mehr als 2 Beutel Tee, ein Säckchen Zucker und Brot. Deshalb gab es auch viele Krankheiten und Streitigkeiten zwischen Ehepaaren. Für die Kinder aus verarmten Verhältnissen half Schwester Marie-Therese mittags mit anderen Müttern mit, über 250 Essen zu kochen. Doch auch während sie diese Probleme sah, bemerkte sie die Dankbarkeit der Leute und dass diese auch gezeigt wurde. In Santiago arbeitete sie deshalb nicht nur für den Glauben, sondern auch im Sozialwesen.
Die Pastoralarbeit gefiel ihr besonders gut und gefällt ihr auch heute noch. In Santiago arbeitete sie deshalb mit Erwachsenen zusammen, um deren Glauben zu vertiefen. Neben diesen unzähligen Arbeiten, die sie verrichtete, war die Angst zwischendurch aber auch ein ständiger Begleiter. In dieser Zeit, die sie in Chile verbrachte, herrschte dort eine Militärregierung unter General Augusto Pinochet. Während ihrer Arbeit in Chile gab es mehrere Demonstrationen gegen das Militärregime. Wenn die armen Leute auf die Strasse gingen, waren die Schwestern manchmal auch dabei. Wenn die Polizei oder das Militär dann kam, hatte sie manchmal Angst, dass jemand verhaftet wurde. Zum Glück betraf es die Schwestern während ihrer Zeit nie. Trotz diesen schwierigen Umständen behält Schwester Marie-Therese Chile und besonders Santiago in guter Erinnerung.
Leben als Generaloberin
Im Jahre 1990 wurde sie von den Delegierten der Ordenskongregation zur Generaloberin gewählt, für 6 Jahre. Nach dieser intensiven Zeit in Chile war es eine schwierige Umstellung zurück nach Holland zu gehen und dort als Generaloberin zu arbeiten. In dieser Zeit zwischen 1990 und 1996 reiste sie um die ganze Welt. Sie war in Madagaskar, wo die Ordensschwestern in Schulen und Apotheken mitwirkten. In Indonesien arbeiteten viele Schwestern als Pastoralassistentinnen. In Bezug auf Madagaskar waren die Verhältnisse in Indonesien besser. Dort gingen viele Chinesen in die Schule, welche das Schulgeld bezahlen konnten. Dieses Geld konnte in die Schulen der ärmeren Gebiete investiert werden. Was überall gleich war und was ihr besonders gefällt, ist die gegenseitig sehr grosse Hilfe.
Leben in Mainz
Nach ihrer Zeit als Generaloberin besuchte sie während 2 Jahren verschiedene Kurse. Seit 1998 lebt Schwester Marie-Therese nun wieder in Mainz. Was sie heute noch macht, sind Exerzitien. Dies sind Kurse, welche eine Woche dauern. In diesen Kursen vertiefen nicht nur Ordenschwestern sondern auch Laien ihren Glauben. Meistens sind es ca. 20 Erwachsene in einer Gruppe. Sie hilft aber auch der Sozialabteilung und der Caritas, indem sie Personen über 75 Jahren besucht, welche Geburtstag haben. Solche Besuche macht sie etwa 80 in einem Jahr.
Dieses Interview durfte ich im Schwesternhaus in Reussbühl durchführen. Schwester Marie-Therese kommt jedes Jahr für ein paar Tage in die Schweiz. In dieser Zeit besucht sie auch Menznau, wo ihre 3 Geschwister leben.

Schwester Marie-Therese vor dem Ordenshaus in Reussbühl.








